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Coaching-Techniken · Ausnahmen finden
Ausnahmen finden
Eine Ausnahme ist ein Moment, in dem das Problem schon einmal kleiner war oder gefehlt hat. Dort steckt oft der nächste Schritt, ohne ein neues Leben zu erfinden.

Einleitung
Die Suche nach Ausnahmen gehört zur lösungsorientierten Kurzzeittherapie von Steve de Shazer und Insoo Kim Berg. Im Coaching nutzt du sie für Alltags- und Arbeitsziele, nicht um eine Störung zu behandeln.
Probleme werden oft als immer beschrieben: „Ich melde mich nie zu Wort.“ Fast immer gibt es eine Stunde, eine Runde oder einen Tag, an dem es anders war. Diese Stunde ist die Ausnahme. Sie ist kein Zufall, solange die Person beschreiben kann, was sie dort anders gemacht hat.
Lehrbeispiele, keine echten Verläufe.
Zweck
Ausnahmen widerlegen das Wort „immer“, ohne die Person zu beschwichtigen. Sie liefern Verhalten, das schon zum Repertoire gehört.
Sie sind oft kleiner und glaubwürdiger als ein Idealbild. Wer eine Ausnahme gefunden hat, muss nicht bei null anfangen.
Ziel
Eine konkrete Situation, in der das Ziel schon ein Stück weit da war, plus die Handgriffe, die dazu gehört haben.
Ein Entschluss, einen dieser Handgriffe bewusst zu wiederholen, statt auf ein völlig neues Verhalten zu hoffen.

Umsetzung
Frag nicht „warum ist das Problem da?“, sondern „wann war es zuletzt weniger da?“. Wenn die Person sagt „nie“, frag nach Abstufungen: weniger schlimm, kürzer, in einem anderen Raum, mit einer anderen Person.
Lass die Situation in Einzelheiten erzählen. Uhrzeit, Satz, Vorbereitung. Allgemeine Tugendworte wie „ich war mutig“ übersetzt du in Handeln.
Unterscheide Zufall und Tun. „Die andere Person war nett“ ist ein Kontext. „Ich hatte den Satz aufgeschrieben“ ist ein Tun. Beides darf genannt werden. Wiederholbar ist vor allem das Tun.
Vereinbare eine kleine Wiederholung, keine neue Persönlichkeit.
Beispiel, keine echte Sitzung. „Du sagst, du schweigst in jeder Runde. Gab es in den letzten vier Wochen eine Runde, in der du einen Satz gesagt hast? Was war in den Minuten davor anders?“
Weitere Anwendungsgebiete
- Gewohnheiten im Arbeitsalltag: Melden, Grenzen setzen, Vorbereiten, Delegieren.
- Wenn ein Ziel so groß ist, dass es unerreichbar wirkt. Die Ausnahme zeigt ein bereits gelungenes Bruchstück.
- Folgestunden: „Wo ist seit dem letzten Mal ein Stück der Ausnahme wieder aufgetaucht?“
- Ausbildung, um den Unterschied zwischen Lob und einer beschreibbaren Ausnahme zu üben.
Grenze
Du suchst keine Ausnahme von Gewalt, von einer Erkrankung oder von einer Krise, um zu belegen, dass es „doch nicht so schlimm“ sei. In diesen Lagen ist die Technik fehl am Platz.
Fragen, kurz beantwortet
Was ist eine Ausnahme im Coaching?
Eine Ausnahme ist ein Moment, in dem das Problem schon einmal kleiner war oder gefehlt hat. Dort liegt oft ein Handgriff, den die Person schon kann.
Woher stammt die Suche nach Ausnahmen?
Aus der lösungsorientierten Kurzzeittherapie von Steve de Shazer und Insoo Kim Berg. Im Coaching gilt sie für Arbeits- und Alltagsthemen, nicht zur Behandlung einer Störung.
Was ist der Unterschied zwischen Zufall und Tun?
„Die andere Person war nett“ ist ein Kontext. „Ich hatte den Satz aufgeschrieben“ ist ein Tun. Wiederholbar ist vor allem das Tun.
Wann sucht man keine Ausnahme?
Nicht, um Gewalt, eine Erkrankung oder eine Krise kleiner zu reden. In diesen Lagen ist die Technik fehl am Platz.