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Coaching-Techniken · Wunderfrage
Wunderfrage
Die Wunderfrage entwirft ein Bild davon, woran die Person merken würde, dass das Thema über Nacht einen deutlichen Schritt weiter wäre. Danach kehrt ihr aus dem Bild in den nächsten realen Unterschied zurück.

Einleitung
Die Wunderfrage ist von Steve de Shazer formuliert worden, in der lösungsorientierten Kurzzeittherapie. Im Coaching ist sie ein Mittel, ein Ziel sinnlich und alltagsnah zu machen. Sie ist kein Ritual und kein Versprechen, dass sich etwas über Nacht fügt.
Der Nutzen liegt in der zweiten Hälfte. Viele bleiben im Wunderbild hängen. Die Arbeit beginnt, wenn du fragst, welches Stück dieses Bildes schon heute in Ansätzen da ist.
Die Formulierung unten ist ein Lehrbeispiel.
Zweck
Manche Ziele bleiben abstrakt, weil die Person nur das Problem beschreiben kann. Das Wunderbild zwingt zu einer Beschreibung des Gewünschten in beobachtbaren Szenen.
Es umgeht kurz die Gründe, warum etwas nicht geht, ohne diese Gründe zu leugnen. Danach werden sie wieder ernst genommen, wenn es um den nächsten Schritt geht.
Ziel
Eine anschauliche Szene des Ziels und daraus ein Unterschied, der schon in den nächsten Tagen in kleinem Maß sichtbar sein könnte.
Die Person erkennt eigene Anteile in dieser Szene. Ein Wunder, das nur andere Leute anders handeln lässt, ist noch kein Coaching-Ziel.

Umsetzung
Kündige die Frage an, damit sie nicht als Spiel abgetan oder als Trick erlebt wird. Etwa: „Ich stelle eine ungewöhnliche Frage, damit wir das Ziel sehen, nicht nur das Hindernis.“
Die klassische Richtung: Angenommen, heute Nacht passiert ein Schritt, der dieses Thema deutlich weiterbringt, und du merkst es nicht im Schlaf. Woran merkst du es morgen früh als Erstes? Was tust du dann anders? Wer bemerkt es?
Bleib bei Handlungen und Wahrnehmungen. „Ich wäre glücklich“ ist noch kein Bild. „Ich öffne den Kalender und der Dienstag hat einen freien Block für die Vorbereitung“ ist eines.
Kehr um: „Welches Stück davon ist in den letzten Tagen schon vorgekommen, und sei es nur für zehn Minuten?“ Daran hängt der nächste Schritt.
Beispiel, keine echte Sitzung. „Woran würdest du morgen um acht merken, dass das Thema einen deutlichen Schritt weiter ist? … Du würdest den Satz schon auf dem Zettel haben. Wann hattest du so einen Zettel zuletzt, und was hat dich damals dazu gebracht, ihn zu schreiben?“
Weitere Anwendungsgebiete
- Wenn ein Ziel richtig, aber blutleer formuliert ist.
- Berufs- und Rollenfragen, bei denen die Person nur sagt, was sie nicht mehr will.
- Kreative und unternehmerische Vorhaben, solange am Ende ein konkreter nächster Schritt steht.
- Ausbildung: Die Übung gilt erst als gelungen, wenn aus dem Bild ein Alltagsunterschied geworden ist.
Grenze
Nutze die Wunderfrage nicht bei akuter Krise, Trauer in den ersten Tagen oder wenn jemand realistisch in Gefahr ist. Ein Bild vom guten Morgen ist dann fehl am Platz. Auch hier gilt: kein Heilversprechen.
Fragen, kurz beantwortet
Was ist die Wunderfrage?
Die Wunderfrage entwirft ein Bild, woran die Person merken würde, dass das Thema über Nacht einen deutlichen Schritt weiter wäre. Danach wird gefragt, welches Stück davon schon da ist.
Wer hat die Wunderfrage formuliert?
Steve de Shazer, in der lösungsorientierten Kurzzeittherapie. Im Coaching ist sie ein Mittel, ein Ziel alltagsnah zu machen, kein Heilversprechen.
Woran scheitert die Wunderfrage oft?
Am Bild selbst. Die Arbeit beginnt erst, wenn aus der Szene ein kleiner, beobachtbarer Unterschied für die nächsten Tage wird.
Wann stellt man die Wunderfrage nicht?
Nicht in einer akuten Krise, nicht in den ersten Tagen einer Trauer und nicht, wenn jemand realistisch in Gefahr ist.