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Coaching-Techniken · Umdeuten
Umdeuten
Umdeuten bietet eine andere Bedeutung für dasselbe Ereignis an. Die Person prüft, ob diese Bedeutung trägt. Sie muss sie nicht übernehmen.

Einleitung
Menschen hängen an einer Geschichte fest: „Ich habe geschwiegen, also bin ich feige.“ Umdeuten trennt das Ereignis von der einzigen Bedeutung. Schweigen kann auch Vorbereitung, Vorsicht oder ein fehlender Satz auf dem Zettel sein.
Du lieferst die neue Bedeutung als Angebot, nicht als Wahrheit. Sobald du sagst „eigentlich bist du mutig“, hat die Person nichts mehr zu prüfen. Das ist Zuspruch, kein Umdeuten.
Beispiele sind erfunden, damit die Form klar wird.
Zweck
Eine einseitige Bedeutung verengt die nächsten Schritte. Wer sich nur als feige beschreibt, sucht nach Mut. Wer beschreibt, dass der Satz fehlte, sucht nach Vorbereitung. Das sind verschiedene Aufträge.
Umdeuten schützt davor, die Person auf ein Etikett festzulegen, das du oder sie selbst zu schnell vergeben habt.
Ziel
Mindestens zwei tragfähige Beschreibungen desselben Vorgangs, und eine Entscheidung der Person, welche Beschreibung ihr für den nächsten Schritt nützlicher ist.
Nicht das Ziel, negativ in positiv umzulügen. Eine Beschönigung, die die Person nicht glaubt, ist misslungen.

Umsetzung
Wiederhole zuerst die Bedeutung, die schon im Raum ist, ohne sie zu bekämpfen.
Biete eine zweite Bedeutung an und frag, was daran stimmt und was nicht. „Könnte es auch heißen, dass dir der Satz gefehlt hat, nicht der Mut? Was spricht dafür, was dagegen?“
Lass die Person wählen. Wenn sie bei der ersten Bedeutung bleibt, arbeitest du damit weiter. Umdeuten gegen den Widerstand ist Überreden.
Häng den nächsten Schritt an die Bedeutung, die sie gewählt hat.
Beispiel, keine echte Sitzung. „Du nennst das Feigheit. Eine andere Lesart wäre: Der Satz war nicht vorbereitet, deshalb kam er nicht hinaus. Welche Lesart beschreibt den Dienstag genauer? Und welche davon sagt dir, was du bis zur nächsten Runde tun kannst?“
Weitere Anwendungsgebiete
- Selbstabwertungen nach einem einzelnen Ereignis.
- Feedback, das die Person nur als Angriff hören kann.
- Konflikte, in denen eine Absicht unterstellt wird, die noch niemand geprüft hat.
- Ausbildung, um den Unterschied zwischen Umdeuten und Beschwichtigen zu üben.
Grenze
Du deutest Verletzungen, Diskriminierung oder klare Grenzverletzungen nicht in eine Lernchance um. Manche Ereignisse bleiben das, was sie sind. Umdeuten ist dann ein Fehler, kein Werkzeug.
Fragen, kurz beantwortet
Was ist Umdeuten im Coaching?
Umdeuten bietet eine zweite Bedeutung für dasselbe Ereignis an. Die Person prüft, ob diese Bedeutung trägt, und muss sie nicht übernehmen.
Was ist der Unterschied zum Beschwichtigen?
Beschwichtigen sagt „eigentlich bist du mutig“. Umdeuten legt eine zweite Lesart vor und fragt, was dafür und was dagegen spricht.
Was ist das Ziel des Umdeutens?
Zwei tragfähige Beschreibungen desselben Vorgangs, und die Entscheidung der Person, welche Beschreibung für den nächsten Schritt nützlicher ist.
Was darf nicht umgedeutet werden?
Verletzungen, Diskriminierung und klare Grenzverletzungen werden nicht in eine Lernchance umgeschrieben.