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Coaching-Techniken · Offene Fragen
Offene Fragen
Eine offene Frage lässt eine Antwort zu, die du nicht schon kennst. Sie beginnt nicht mit einem Ratschlag, der sich als Frage verkleidet.

Einleitung
„Hast du schon mal an Kündigung gedacht?“ ist keine offene Frage. Sie schiebt eine Richtung hinein. „Was hast du bisher ausprobiert?“ lässt der Person die Wahl, welche Wege überhaupt auf den Tisch kommen.
Offene Fragen sind das Werkzeug zwischen Zuhören und einem Modell. Sie sammeln Material. Geschlossene Fragen, die mit Ja oder Nein beantwortet werden, gehören ans Ende, wenn eine Entscheidung oder ein Termin feststeht.
Die Formulierungen unten sind Übungsbeispiele, keine Dokumentation echter Stunden.
Zweck
Der Zweck ist, das Denken der anderen Person zu erweitern, nicht deins vorzuführen. Eine gute Frage hältst du aus, auch wenn die Antwort länger dauert als dir lieb ist.
Sie verhindert den häufigsten Anfängerfehler: drei Fragen in einem Satz, von denen die letzte schon die Lösung enthält.
Ziel
Die Person redet mehr als du, und sie sagt etwas, das vor der Frage noch nicht im Raum war.
Du kannst danach benennen, welche Information neu ist. Wenn nichts Neues kommt, war die Frage zu eng oder sie wiederholt eine alte.

Umsetzung
Eine Frage pro Turn. Danach Stille. Wenn du merkst, dass du erklärst, brich ab und frag neu.
Bevorzuge Was, Wie und Woran. Warum ist erlaubt, kippt aber schnell in Rechtfertigung. „Was ist dir daran wichtig?“ bleibt näher am Ziel als „Warum machst du das nicht einfach?“.
Prüfe jede Frage auf einen versteckten Rat. Wenn du die gewünschte Antwort schon kennst, stell die Frage nicht. Sag stattdessen, dass du eine Vermutung hast, und frag, ob sie hören will.
Geschlossene Fragen nutzt du bewusst am Schluss: „Ist das der Schritt für diese Woche, ja oder nein?“
Beispiel, keine echte Sitzung. Statt: „Wäre es nicht besser, das Meeting abzusagen?“ Besser: „Welche Möglichkeiten siehst du für das Meeting, und welche davon liegen bei dir?“
Weitere Anwendungsgebiete
- Zielklärung, wenn der Satz noch wolkig ist.
- Die Options-Phase im GROW-Modell, solange noch keine Entscheidung ansteht.
- Vorbereitung schwieriger Gespräche: Die Person entwirft Formulierungen, statt sie von dir zu bekommen.
- Ausbildung: Übende sammeln zehn offene Fragen zu einem Fall und streichen jede, die einen Rat enthält.
Grenze
Fragen sind kein Verhör und kein Diagnoseinterview. Du fragst nicht Symptome ab, um eine Störung zu erkennen. Dafür bist du im Coaching nicht da.
Fragen, kurz beantwortet
Was ist eine offene Frage im Coaching?
Eine offene Frage lässt eine Antwort zu, die der Coach noch nicht kennt. Sie enthält keinen versteckten Ratschlag.
Welche Fragewörter eignen sich?
Was, Wie und Woran. Warum ist erlaubt, kippt aber schnell in Rechtfertigung.
Wann kommt eine geschlossene Frage?
Am Ende, wenn eine Entscheidung oder ein Termin feststeht, zum Beispiel: Ist das der Schritt für diese Woche, ja oder nein?
Wie viele Fragen stellt man auf einmal?
Eine. Danach folgt Stille. Drei Fragen in einem Satz, von denen die letzte schon die Lösung enthält, sind keine offene Frage.