Technik
Coaching-Techniken · Zielklärung
Zielklärung
Zielklärung macht aus einem Wunsch einen Satz, den die andere Person selbst sagt: was bis wann anders sein soll und woran sie das merkt.

Einleitung
Ein Ziel im Coaching gehört der Person, die es erreichen will. Nicht dir, nicht dem Lehrbuch und nicht dem, was du für vernünftig hältst. Deine Aufgabe ist, den Satz so lange zu schärfen, bis er konkret genug ist, um daran zu arbeiten.
„Ich will glücklicher sein“ ist ein Wunsch. „Ich will am Freitag in zwei Sätzen sagen, welches Projekt ich abgebe“ ist ein Ziel. Der Unterschied liegt nicht im Ehrgeiz, sondern darin, ob man hinterher feststellen kann, ob es eingetreten ist.
Die Beispielsätze auf dieser Seite sind zum Üben erfunden. Sie beschreiben keine echte Klientin und keinen echten Klienten.
Zweck
Ohne Ziel wird aus der Stunde ein langes Gespräch ohne Richtung. Techniken wie Skalen, GROW oder der nächste Schritt brauchen einen Bezugspunkt. Sonst misst du Bewegung, ohne zu wissen wohin.
Die Klärung verhindert auch, dass du heimlich dein Ziel einsetzt. Wer die Frage stellt „Willst du nicht einfach kündigen?“, hat schon entschieden. Das ist Beratung oder Meinung, nicht Zielklärung.
Ziel
Ein brauchbares Ziel ist positiv formuliert, in der Hand der Person, und mit einem Merkmal versehen. Positiv heißt: was da sein soll, nicht nur was aufhören soll. In der Hand heißt: sie kann den nächsten Schritt tun, auch wenn andere mitspielen.
Ein Zeitpunkt oder ein Rahmen gehört dazu. „Irgendwann ruhiger“ lässt sich in keiner Stunde überprüfen. „Bis zum Gespräch am Donnerstag einen Satz, den ich sagen will“ schon.

Umsetzung
Lass die Person den Zielsatz selbst sprechen. Schreib ihn auf. Lies ihn zurück und frag: „Ist es das, oder ist es etwas daneben?“
Prüfe vier Punkte nacheinander. Ist das Ziel etwas, das anfängt, nicht nur etwas, das aufhört? Liegt der nächste Schritt bei ihr? Woran würde eine dritte Person merken, dass es gelungen ist? Bis wann soll ein erster Beleg da sein?
Wenn mehrere Ziele da sind, wählt sie eines für diese Stunde. Die anderen bleiben notiert. Du rangst sie nicht nach deiner Dringlichkeit.
Beispiel, keine echte Sitzung. „Weniger Stress ist das Gegenteil. Was soll stattdessen in der Woche sichtbar sein? Und wenn du am Sonntagabend auf die Woche schaust: Welche eine Sache müsste passiert sein, damit du sagst, das Ziel für diese Runde ist getroffen?“
Weitere Anwendungsgebiete
- Jede Erststunde, nachdem der Auftrag steht.
- Wenn eine Stunde sich im Kreis dreht. Dann ist oft das Ziel zu groß oder es sind drei Ziele zugleich.
- In Ausbildungsgruppen, um zu üben, einen Wunsch in ein beobachtbares Ergebnis zu übersetzen.
- Vor einer Entscheidung, etwa Rollenwechsel oder ein schwieriges Gespräch. Das Ziel ist dann nicht „die richtige Entscheidung“, sondern ein Kriterium, nach dem die Person selbst entscheidet.
Grenze
Du setzt keine Ziele für Gesundheit, Diagnosen oder für das Verhalten anderer Menschen, über das die Person keine Verfügungsgewalt hat. „Mein Partner soll sich ändern“ ist kein Coaching-Ziel, solange es nicht in ihr eigenes Verhalten übersetzt ist.
Fragen, kurz beantwortet
Was ist ein Coaching-Ziel?
Ein Coaching-Ziel ist ein Satz der Person selbst: was bis wann anders sein soll und woran sie das merkt. Ein bloßer Wunsch wie „glücklicher sein“ ist noch kein Ziel.
Woran erkennt man ein brauchbares Ziel?
Es ist positiv formuliert, der nächste Schritt liegt bei der Person, und eine dritte Person könnte sehen, ob es eingetreten ist.
Wie viele Ziele gehören in eine Stunde?
Eines. Weitere Ziele werden notiert und nicht nach der Dringlichkeit des Coaches sortiert.
Darf das Ziel sein, dass sich eine andere Person ändert?
Nein. Ein Ziel muss im eigenen Verhalten der Person liegen. „Mein Partner soll sich ändern“ wird erst dann zum Coaching-Ziel, wenn es in eigenes Handeln übersetzt ist.